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 KaKi Kunst


 
 
 
Im Strudel der Selbstlosigkeit

Apathisch, taub und aufgequollen – so fühlt sich ihr Körper an.
Gemästet vom warmen Abendbrot, das sie runter geschlungen hat,
aus Angst, was zu verpassen. Keine Zeit zum Kauen.
Keine Zeit, das zu genießen,
was sie so liebevoll zubereitet hat. Der Körper - ein Auffangbecken
für zu viele Dinge, die er angeblich braucht. Er ist voll und doch
fühlt sie sich leer, so leer wie schon lange nicht mehr.
Dies ist nicht mehr ihr Körper. Sie fühlt sich fremd und unsicher in ihm
und möchte am liebsten raus da. Sie will einfach
irgendwo runterspringen, im Rausch der Geschwindigkeit
das Bewusstsein verlieren und als frischer,
schöner, zarter, dünner Mensch wieder erwachen.
Sie will wieder richtig atmen können,
ohne daran denken zu müssen, dass sie atmet.
Sie will einfach losgehen können, instinktiv und ohne Abwägen.
Sie will sich einfach im Fluss der Großstadt treiben lassen:
küssen, lachen, singen, schmecken, und alles auf einmal.
Doch sie kann nicht. Ihr Körper ist starr, angespannt, entlebt. Ihr Kopf –
ein Karussell für Zahlenspiele. Ihr Geist – irgendwo, nur nicht im Jetzt.
Sie weiß nicht mehr, wie das geht, sich gehenlassen. Wie ist das,
da draußen zu sein, die Augen zu schließen und die Gliedmaßen
unkontrolliert zu bewegen? Wie ist das, loszulassen?
Wie soll sie loslassen von dem, was ihren ewig gleichen Alltag bestimmt?
Wie soll das gehen, sich gehenlassen, wenn man von 9 bis 5 festsitzt?
Wie soll man da freiwerden im Kopf? Wie soll man freiwerden?
Was ist das überhaupt, Freiheit?
Freiheit bedeutet für mich gerade, von jedwedem Zeitgefühl befreit
auf einer frisch gemähten Wiese liegen. Neben mir wälzen sich
meine besten Freunde im Gras. Wir sind gerade alle so um die neun
und kauen auf Grashalmen rum. Die Luft duftet wunderbar frisch.
Ich sehe hinauf gen Himmel und die Sonne entfaltet
all ihre wärmende Kraft, denn kein Wölkchen ist da weit und breit.
Wir kichern und kitzeln uns gegenseitig, und alles ist schön.
Der Kopf ist klar, so klar, wie er nie wieder sein wird.
Und wir alle spüren sie, schmecken sie, die Freiheit.
Da sind wir, da ist die Erde, da ist der Himmel,
da ist die Sonne und da sind wir. Wir haben alles,
was wir brauchen und dürsten nach nichts, nur danach,
auf ewig zusammen zu sein.
Und zu lachen.
Und uns im Gras zu wälzen.
Und uns gegenseitig zu kitzeln.
Und uns den Himmel anzusehen.
Und die Sonne.
Und nichts.


 
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© Katrin Kittelmann