Subtitles
 Germany


 KaKi Kunst


 
 
 
Vom Schlummerhund, der auszog zu träumen

Es war einmal ein Schlummerhund, der in die weite Welt auszog. Er hüpfte und sprang den ganzen Tag, auf und ab, von hier nach da und wieder zurück. Wenn ihn die Müdigkeit überkam, nahm er seine aufklappbare Luftpumpe aus der linken Tasche und sein aufblasbares Bett im Pocketformat aus der rechten, pumpte sie auf und legte sich schlafen. Mal im Park, mal am Strand und ein Mal auch vor einem Restaurant. Das Essen, was er zuvor dort verspeist hatte, war ein solcher Genuss gewesen, dass er an Ort und Stelle eine Siesta machen wollte. Er breitete sich also mitsamt der Matratze auf der Einkaufspromenade vorm Restaurant aus und legte sich schlafen. Schlummerhund versank in tiefem Schlaf und träumte von köstlichen heißen und kalten Speisen. Genug, um alle Schlummerhunde dieser Erde satt, glücklich und faul zu machen. Nie würde es einen friedlicheren Moment auf diesem Planeten geben.
„Aufwachen!“ tönte es urplötzlich in Schlummerhunds Ohren.
„Wach auf, hab ich gesagt! Hörst du schwer, du fauler Hund?!“
Noch ganz benommen von seinem himmlischen Traum öffnete Schlummerhund die Augen und erblickte vor seiner Schnüffelnase einen riesigen Wachhund mit Halsband und Hundemarke.
„Was gibt’s, Herr Wachhund?“, fragte Schlummerhund bedröppelt.
„Mach, dass du von hier verschwindest!“, entgegnete der Wachhund grob.
„Schlummern vor Geschäften oder Gaststätten ist untersagt! Wenn ich dich noch mal dabei erwische, brumm ich dir ‘ne saftige Strafe auf!“
„Jawohl, Herr Wachhund“, erwiderte Schlummerhund, packte seine sieben Sachen und zog weiter. An zahllosen bunten Fensterscheiben der Stadt vorbei zog es ihn hinaus aufs Land, vorbei an Dörfern und Kirchen und Bauernhöfen und Weiden und Kühen und Gerüchen und frischem Wind und, und, und. Als die Sonne dann auch noch in ihrer ganzen Herrlichkeit zu scheinen begann, ließ Schlummerhund die letzten Anzeichen von Anspannung fallen und lief hinaus aufs große Feld und suhlte sich in Mutter Erde, bis ihm die Puste ausging und er glücklich einschlief. Wieder entschwand er in eine Welt der Träume. Er sah Wälder und Wiesen in den strahlendsten Farben, und dazu unzählige Schlummerhunde, die dort herumtollten, als gäbe es kein Morgen. Wieder durchbrach eine tiefe Stimme die Idylle in Schlummerhunds Traum:
„Hey, aufwachen! Was tust du hier, du Herumtreiber?!“, schrie der Wachhund über die Wiese.
„Ich habe nur ein bisschen geschlummert“, entgegnete Schlummerhund und fügte hinzu: „Ich bin kein Herumtreiber, ich lasse mich einfach treiben.“
„Du kannst nicht einfach hier schlafen, das ist meine Wiese! Mach, dass du von hier verschwindest!“
Schlummerhund nahm seine sieben Sachen und zog von dannen. Vom Hunger getrieben, zog es ihn in die nächste Stadt, wo er Ausschau nach etwas zu essen hielt. Und da traf er sie. Sie stand an einer Pommesbude und aß genüsslich und mit geschlossenen Augen Pommes rot-weiß. Schlummerhund bestellte sich dasselbe und stellte seine sieben Sachen ab. Dann nahm er gierig den Geruch von Currywurst und Co. in sich auf. Ein Gefühl des Glücks durchströmte seinen Körper, woraufhin er kurz laut losjaulte:
„Mann, riecht das lecker! Ich hab vielleicht Kohldampf.“
„Die Pommes sind ganz lecker“, entgegnete die Hündin vergnügt, und so kamen sie ins Gespräch.
Fortan hüpften und sprangen sie gemeinsam durch die Welt, schlummerten und träumten, küssten und liebten sich, bis ans Ende ihrer Tage. Und wenn sie nicht gestorben sind, schlummern und träumen sie noch heute.

 
<   >
8 von 22
From the dark seas of blue to the bright skies above
Vom Sein und Nichtsein
The man on the edge
Tür ins Licht
Ein Schlupfloch Stille
Before night falls
Im Strudel der Selbstlosigkeit
Vom Schlummerhund, der auszog zu träumen
The road of lonely hearts
Zwei Paar Schuhe auf der Fensterbank
The jewels of a writer
Catch-as-catch-can-Clan
Zurück zu den Wurzeln
Der bewegte Horizont
Der Ununterschiedene
Fortschritt
Es kommt die Zeit
Mein Zuhause, die Straßen und du
Der Mensch im klitschnassen Schlafsack
Self-Made Woman
Ein Mann der Muße
Ich strecke meine Gliedmaßen aus
 
© Katrin Kittelmann